Auslegung von Versicherungsbedingungen – Gesetzesbegriffe, Fachbegriffe und das umgangssprachliche Verständnis von Wörtern durch den Versicherungsnehmer

Veranstaltungsdatum | Dienstag 06.10.2026
Veranstaltungsbeginn | 15.00 Uhr

§ 15 FAO – Webinar zur Auslegung von Versicherungsbedingungen. Das Live-Webinar richtet sich an Anwälte/-innen, die ihre Kenntnisse im Versicherungsrecht vertiefen möchten.

Der durchschnittliche Versicherungsnehmer – die zentrale Figur der Auslegung

Wer ist er eigentlich, dieser “durchschnittliche Versicherungsnehmer”? Er ist der Unternehmer in der Industriestadt, die Ärztin im Vorort, der Handwerksbetrieb auf dem Land. Er hat kaufmännische oder technische Ausbildung, vielleicht auch Studium – aber kein juristisches Studium. Er liest die Versicherungsbedingungen flüchtig, vertraut auf die Versicherungsmakler, interpretiert Fachbegriffe intuitiv und umgangssprachlich. Und genau diese Interpretation ist nicht egal: Sie ist rechtlich relevant.

Das Kernproblem der Auslegung

Die Rechtsprechung hat sich diese Frage immer wieder gestellt – tausendfach, in unzähligen Urteilen, Entscheidungen und wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Der Streit ist immer derselbe: Wie weit reicht die juristische Auslegung nach §§ 133, 157 BGB? Wo beginnt die Gefahr, dass der Jurist seine eigenen Kategorien auf den VN projiziert, statt dessen tatsächliches Verständnis zu erfassen?

Die Probleme sind präzise:

  • Gesetzesbegriffe – Anwält*innen und Richter neigen dazu, das gesetzliche Regelungen heranzuziehen. Das tut aber nicht der durchschnittliche Versicherungsnehmer. Schon bei einem vermeintlich einfachen Begriff wie „Nettoeinkommen“ ist dieser Ansatz zum Scheitern berurteilt. Die juristische Definition und das alltägliche Verständnis divergieren oft erheblich.
  • Fachbegriffe – Der Versicherungsnehmer hat einen anderen Hintergrund als der Versicherer. Viele in der Versicherungswirtschaft gebräuchliche Begriffe sind für Juristen selbstverständlich, für den Versicherungsnehmen bleiben sie aber oft im Dunklen. Und da der Versicherungsnehmer meist keine medizinische Ausbildung hat, kann man bei medizinischen Begriffen auch nicht zu Grunde legen, wie sie in der Fachwelt verstanden werden.
  • Umgangssprachliches Verständnis – Ein normaler Mensch versteht Worte so, wie sie in seinem Umfeld gebraucht werden. Diese alltägliche, vorjuristische Bedeutung kann entscheidend sein. Aber wie stellt man diese fest? Welche Rolle können etwa der Duden oder ethymologische Wörterbücher spielen?

Struktur und Systematik – Das ist der Schlüssel

In diesem Webinar erarbeiten wir Struktur und Systematik dieser Auslegung. Nicht chaotisches Herumstochern in einzelnen Entscheidungen, sondern ein methodisches Vorgehen:

  • Wie identifiziere ich wirklich, was der VN verstanden haben könnte?
  • Wann höre ich auf, “juristisch korrekt” zu interpretieren, und wann muss ich mich auf den Standpunkt des VN stellen?
  • Welche Entscheidungen helfen mir weiter, welche verwirren nur?
  • Wie baue ich ein Argument auf, das Gerichte überzeugt?

 

Wir durchleuchten die großen Fälle, die etablierten Prinzipien und die Fallstricke. Sie lernen, wie Sie selbst bei der Auslegung vorgehen – strategisch, nachvollziehbar, überzeugend. Und Sie verstehen, wie der Versicherungsnehmer tatsächlich tickt: nicht als juristische Fiktion, sondern als reale Person mit alltäglichem Verständnis und legitimen Erwartungen.

Ein Webinar für Anwältinnen und Anwälte, die mit Versicherungsbedingungen arbeiten und verstehen möchten, wo die größten Tücken bei der Auslegung lauern.

Referent: Arno Schubach
Moderation: Oliver Meixner

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